Blogeintrag September 2017

von Anne-Sophie Oehrlein

Fehlende Transparenz – Eine vertane Chance für (Unternehmens-) Stiftungen

Anfang des Jahres war ich an einem Projekt beteiligt, in dessen Verlauf verschiedene Unternehmensstiftungen hinsichtlich ihrer Finanzierung und ihres Aufbaus miteinander verglichen werden sollten. „Spannende Aufgabe“ – dachte ich mir und machte mich neugierig auf die Suche nach relevanten Daten. Beim Durchforsten von Datenbanken, Stiftungswebsites und Jahresberichten machte sich schnell Ernüchterung breit. Eine Vielzahl der in die Analyse einbezogenen Unternehmensstiftungen offenbarte sich als eine Blackbox, bei der von Transparenz weit und breit nichts zu finden war.

 

Diese Erkenntnis wird viele, die im gemeinnützigen Sektor tätig sind, nicht weiter erstaunen. Schon lange ist der Ruf nach mehr Transparenz dort allgegenwärtig zu hören. Da es keine allgemeine Verpflichtung zur öffentlichen Berichterstattung für gemeinnützige Organisationen gibt, rief Transparency International 2010 die Initiative Transparente Zivilgesellschaft ins Leben. Mit ihrer Unterschrift verpflichten sich die Mitglieder dieser Initiative zur Offenlegung relevanter Informationen, wie beispielsweise der Mittelherkunft sowie der Mittelverwendung. Insgesamt 892 Unterzeichner haben sich dem Bündnis bisher angeschlossen, darunter lediglich 134 der über 20.000 deutschen Stiftungen[1].

 

Gerade Stiftungen sollte es jedoch an einer vermehrten Transparenz im gemeinnützigen Sektor gelegen sein. Mehr als die Hälfte von ihnen ist fördernd tätig[2] und jeder, der schon einmal einen Förderantrag für Stiftungsgelder geschrieben hat, weiß, dass Stiftungen bei der Auswahl ihrer Fördergeldempfänger vor allem eines verlangen: Transparenz. Diese Erwartung seitens der Stiftungen ist mehr als legitim. Aber haben die geförderten Organisationen nicht ebenso das Recht, Transparenz von ihren Mittelgebern zu verlangen? Viele dieser Organisationen leben von ihrer Reputation - zu wissen, wie und mit wem ihre Förderer arbeiten ist daher ein wichtiger Faktor, um interne Konflikte und externe Rufschädigung zu verhindern.

 

Das Thema Reputation betrifft aber nicht nur die geförderten Organisationen. Auch Stiftungen selbst sollten ein Interesse daran haben, ihre Reputation zu erhalten und vor allem ihre öffentliche Legitimation zu stärken. Eine transparente Darstellung der eigenen Arbeitsweise sowie der Finanzierung wäre hierbei sicherlich ein dienliches Mittel.

 

Betrachtet man die Rolle der im oben beschriebenen Projekt untersuchten Unternehmensstiftungen als Schnittstelle zwischen Unternehmen und gemeinnützigem Sektor, so mutet ihre fehlende Transparenz zugegebenermaßen wie eine vertane Chance an. Immer wieder wird dem gemeinnützigen Sektor eine nicht ausreichende Professionalität vorgeworfen, womit unter anderem gemeint ist, dass er die aus der Betriebswirtschaft erprobten Managementmethoden nicht systematisch einsetzt, um Ergebnisse wirkungsvoll zu erzielen. Mit ihrer Nähe zu Unternehmen und deren Arbeitsweise, könnten gerade Stiftungen großer Unternehmen als Vorreiter der Professionalisierung in der Zivilgesellschaft dienen und anderen Organisationen in dieser Hinsicht ein Vorbild sein. Ausbau der Transparenz, die laut dem deutschen Ökonomen, Prof. Dr.  Ludwig Theuvsen, als Mittel zur Sicherung der Qualität, zur Steigerung der Effizienz und zur Kontrolle der Mittelverwendung[3] dient, wäre dabei ein erster wichtiger Schritt.

 

Seit Anfang 2017 sind große Unternehmen verpflichtet neben ihrer herkömmlichen Berichterstattung auch einen nichtfinanziellen Bericht zu veröffentlichen. Hierunter fällt auch ihr gesellschaftliches Engagement. Vielleicht wird diese Berichtspflicht ja auch in die Unternehmensstiftungen strahlen und dort zu mehr Transparenz animieren. Für den Sektor und die Zusammenarbeit mit Unternehmensstiftungen wäre dies mehr als wünschenswert.

 
 

[1] Transparente Zivilgesellschaft – Die Unterzeichner: https://www.transparency.de/Die-Unterzeichner.2050.0.html

[2] Stiftungen in Deutschland. Zusammenfassende Ergebnisse und Handlungsempfehlungen. Hertie School of Governance & Universität Heidelberg (Centrum für soziale Investitionen): Briefing Paper 2, 2016.

[3] Ludwig Theuvsen. Professionalisierung des Nonprofit-Managements durch Governance-Kodizes: Eine Analyse der Transparenzwirkungen: Wiesbaden, 2011.